Generationenwechsel

Videosammlung

Videoarchiv einer Geographielehrperson, geführt von 1985 bis 2010

Geschätzte 4000 Arbeitsstunden und ca. Fr. 8000.– für Geräte, Kassetten und Diverses wurden von mir in 20 Jahren Unterrichtstätigkeit ins Aufnehmen, Visionieren, Protokollieren und Verwalten von geographischen Filmen für den Unterricht investiert (für Nichtlehrpersonen: Gratisarbeit und spesenfrei). Dies mit dem Ziel einen vielfältigen, qualitativ hochwertigen Geographieunterricht erteilen zu können. Wohlverstanden: Es ging dabei nur um ein Medium (um EIN Element von vielen), um die Chancen auf guten Unterricht erhöhen zu können.

Hier nun das Ende auf Tutti – ein Schenkung an eine jüngere Lehrperson hat sich ergeben.

Inzwischen gibt es so viel Videomaterial wie noch nie auf verschiedensten Videokanälen, leicht sind Filme zu finden, die meisten gratis. Was trotzdem immer noch ansteht: Videos müssen gesichtet werden, auf ihren Gehalt im Hinblick auf ein Unterrichts-, Lehr- und Lernziel ausgewählt werden: Das braucht Zeit, viel Zeit, Vorbereitungszeit und wer sie leistet, bereitet den Unterricht derartig vor, dass die Qualität steigt: Kernideen wachsen, Inhalte können von der Lehrperson als Expertin oder Experte kommentiert werden und vor allem in Zusammenhänge gestellt werden: Dadurch wächst der Gehalt des Unterrichts. Es kann so sein…

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Leitideen zum Umgang mit digitalen Medien

Hyperlehren und -lernen? – Im Rahmen der Weiterbildung werden viele Themen vertieft. Die Aufgabe, ein Buch zur Mediendidaktik zwischen den Präsenzkursen zu lesen, wird durch die Verarbeitung als Prüfungsfrage (in dem Fall mit isTest) sowie durch die Aufforderung öffentlich zu posten verbindlich, in einem Teil transparent und eventuell als streng und unangenehm empfunden?

Die Aufgabe lautete:

Lesen Sie ein selber gewähltes Unterkapitel in Pekto „Einführung in die Mediendidaktik“ und fassen Sie eine zentrale Erkenntnis fürs Lehren und Lernen in wenigen Sätzen zusammen. Posten Sie darausfolgend einen Leitsatz auf den Blog , der für andere Lehrpersonen im Umgang mit digitalen Medien im Berufsalltag hilfreich sein könnte.

Wir bitten Sie, Ihren Leitsatz oder Leitgedanken ins untenstehende Feld „Kommentar verfassen“ einzufügen.

Jürg Widrig und Peter Gloor

 

Suchen, Finden, Lesen, Kommentieren

Suchen Sie auf diesem Blog den Beitrag „Bringen oder Holen“.

Lesen Sie den Beitrag und schreiben Sie einen kurzen Kommentar dazu. Wie sehen Sie Ihre Rolle als Lehrperson unter dem Einbezug von ICT in Ihrem Fachunterricht?

Zeitbedarf maximal 10 Minuten, Einzelarbeit.

 

Oder wählen Sie den andern Auftrag nach dem Lesen des Textes: ICT-Einsatz im eigenen Unterricht – Bedürfnisse, Erwartungen? Siehe nächster Beitrag unter 1.

Web 2.0 im gymnasialen Unterricht

Digitale Medien erhöhen die Qualität des Unterrichts kaum, wenn sie nicht didaktisch durchdacht im Hinblick auf das Erreichen von Bildungs- sowie Lehr- und Lernzielen eingesetzt werden. Wie soll dies geschehen?

Im Workshop werden ausgehend von eigenen Erwartungen zu den digitalen Medien im Fachunterricht einige fächerübergreifende Praxisbeispiele/-möglichkeiten aus dem Alltag vorgestellt und hinterfragt. Es wird dabei in a. realisiert, b. angedacht und möglich unterschieden. Daraus folgend werden Kernfragen erörtert und nach Möglichkeit beantwortet. Zentral ist, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer über ein im Workshop funktionierendes Endgerät mit Internetzugang verfügt.

1. Notieren Sie einige Stichworte auf ein Flipchartblatt zu einem oder mehreren Unterrichtsvorhaben in Ihrem Fach bei dem Sie Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) a. eingesetzt haben / b. einsetzen möchten. (10 Min. Zeit).

 

 

 

 

 

Links zu Web 2.0 im gymnasialen Unterricht

1. Basiskonzept unter:  Von der Lehr- zur Lernveranstaltung (3.10.2016, Homepage von Peter Gloor, Geographie- und Mediendidaktik)

2. Beispiele aus der Praxis:

a. Reformation in Zürich: Auf den Spuren von Ulrich Zwingli (Beispiel aus Geschichte und Religion, Exkursion mit Unterstützung der neuen Medien im Feld, publiziert auf einem Blog mit Verlinkungen und Nutzung von Tools wie MapEngine, Youtube, Lerningapp)

b. MOOCS (Massiv open online courses):

– Herstellung von Klimadiagrammen mit Open Office Calc (4 Min. 29 Sek., Youtube, öffentlich)

– Grosswetterlagen der Schweiz: 1. Auftrag zum Film Westwindlage (24 Sek.), 2. Nordwetterlage (2 Min.). Die Videos wurden aufgrund von Basismaterialien von Youtube mit einem Videoeditor bearbeitet und mit Aufträgen und Hinweisen für den Unterricht versehen, so dass die SuS individualisiert arbeiten können. (Youtube, hergestellt von Andrea Büscheln, Geographielehrperson)

– Kahn Academy (Erklärung der Theorie zu Big Bang, ca. 16 Min.) und Scuola Visione (neu 3.10.16, erfordert Login, Projekt des Berufsbildungsamtes Tessin), Beispiel Wechsel einer Autobatterie (nur mit Login, 3.10.16, 8 Min., Sequenzen, Texte, Tipps – Didaktik!)

c. My School, Angebot des Schweizer Fernsehens, Informationssuche im Internet – Virtueller Müll oder echte Information? (19 Min. Videobeispiele und Arbeitsblätter mit Lösungen für mehrere Lektionen)

d. Beispiel eines E-Books (Lehrmittelzukunft?): Lehr- und Lernaufgaben mit Google Earth. Dieser Link führt zur Dropbox (Materialablageort). Das Buch ist öffentlich zugänglich. Die Datei muss heruntergeladen und mit einem E-Book-Reader geöffnet werden.

e. Lernmodule im Internet, Erfahrungsbericht als Blogbeitrag (Beispiel aus der Alten Kantonsschule Aarau von 2007). Lesen Sie nach dem Workshop auf diesem Blog den Text „Unterrichtserfahrungen mit Laptopklassen„. Beachten Sie die Kommentare im Blog.

Klimaweg der Schweiz, ein virtueller Lehrpfad im Netz

f. Link zu einer Präsentation Lehrpersonen im Netz: Über die Rolle der Lehrperson (im Rahmen eines Webinars nutzbar)

WebinarScreenshot

g. Andere Organisation von Links und Materialien zu einem Workshop, z.B. auf Zotero (Literaturverwaltungsprogramm)

Alle Links am 3.10.2016 geprüft, Peter Gloor

Rück-, Um- und Vorschau zu diesem Blog

Seit dem 7.10.2003 betrieb ich einen Blog auf Kaywa.ch. Dieser muss nun aufgelöst werden, was viel Arbeit bedeutet: Hunderte von Links in Unterlagen verweisen auf den Blog, den es anscheinend bald nicht mehr geben soll. Ich habe am 20. und 21.5.2014 alle alten Beiträge inklusive Kommentare auf diesen neuen Blog übertragen, so dass die Spuren erhalten bleiben. Die Beiträge sind in umgekehrter Reihenfolge eingetragen. Das heisst, je weiter hinten ein Beitrag ist, desto jünger ist er. Ab dem 22.5. beginnt eine neue Aera, das heisst, die neuen Beiträge werden an der Spitze des Blogs stehen.

Warum der Geographielehrer und Mediendidaktiker bloggt – vom 7.10.2003

Es gibt zwei Antworten:

1. Ich bin überzeugt, dass ganz viele Informationen sehr wertvoll für andere Lehrkräfte und Bildungsinteressierte sein können. Viele Informationen, die hier stehen, würden den Weg nie in einen Artikel oder ein Buch finden.
Die Unmittelbarkeit der Texte – so denke ich – dürfte besonders für Noviz/-innen im Lehrberuf wertvoll und/aber auch ehrlicher sein. Vieles steht hier, dass kaum je zu schreiben gewagt würde, das aber im Unterichtsalltag als Lehrkraft nützlich zu wissen sein könnte.
Und vor allem: Ich möchte Einblicke in die gymnasiale Welt ermöglichen, Einblicke, die Anlass zum Denken und Diskutieren sein können.
Ausserdem: Ich habe Spass, hin und wieder ins „Leere?“ der Cyberwelt zu schreiben -:). Es reizt auszuprobieren, wer was liest oder eben nicht, geschweige denn, die Reaktionen zu verfolgen.

Pult einer Lehrperson heute

(Fotos gingen bei der Migration des Blogs von Kaywa zu WordPress verloren, 11.4.2017)

Pult einer Lehrperson: Viel – zuviel? – Technik zwischen den Studierenden und der Lehrkraft?

2. Die ausführlichen Gedanken zur Frage:

Einst als Journalist und Redaktor haben mich oft Leute nach meinem Beruf gefragt, brennendes Interesse an den Arbeiten gezeigt und oft über die spannenden Geschichten und Hintergründe zu den Geschichten gestaunt .

Heute sieht dies ganz anders aus. Seit dem Einstieg in den Lehrerberuf treffe ich kaum mehr auf Menschen, die etwas zum Beruf wissen wollen. Vielleicht hängt es in erster Linie damit zusammen, dass die meisten Menschen Schulen von innen her kennen und dadurch die Neugierde und Spannung verloren scheint, darüber nochmals etwas erfahren zu wollen. Viele tragen auch ungute Gefühle und Erfahrungen von damals mit sich. Die Medien hingegen kennen sie in der Regel eher nur von aussen. Ein anderer Grund: Wenn es in der Schulwelt allenfalls etwas Neues geben könnte, dann vielleicht, dass es heute ganz besonders schwierig sei mit den Jugendlichen. Höfliches Mitleid ist meist sicher.

Ganz speziell sind die vielen Begegnungen mit ehemaligen Schüler/-innen: Auf der einen Seite stehen jeweils die oft beneidenswerten Laufbahnen, Studien, Prüfungen, Titel, Positionen, welche angesprochen werden und zum Schluss die Frage. „Und Sie? Sind Sie immer noch an der Kantonsschule?“ Dabei ist die Tonlage der Frage das Spezielle. Ich freue mich immer darüber und werde nicht müde zu sagen, dass der Lehrerjob ein ganz faszinierender und herausforderungsreicher sei, den ich nicht missen möchte.

Vielleicht ist es ja aber auch einfach so, dass ich nicht mehr so vielen Menschen begegne und deshalb mein Eindruck derartig entstanden ist.

Ich denke, die Schule hat sich in den letzten Jahrzehnten gewaltig verändert. Wann waren Sie zum letzten Mal einen Tag in einer Schule, nicht nur für eine Showlektion an einem Besuchstag? Können Sie sich überhaupt vorstellen, was Tagesschulen, Wochenpläne, ELF, ICT, MAR, EVAMAR, Schilf, WOV, Kompetenzraster… usw. bedeuten, wie sich all die strukturellen und didaktischen Veränderungen auswirken, ja wie sie überhaupt aussehen? Kann es etwa sein, dass sehr viele, welche heute über Schule reden, politisieren, bestimmen, verwalten vor allem IHRE Vorstellung von erlebter Schule in sich tragen und danach agieren? Man überlege sich die Konsequenzen.

Doch zur Frage zurück: Was heute im Schulalltag abgeht, wie ich es wahrnehme, hat kaum irgendwo Platz. Da nützt es wenig, wenn ich schon oft zum Besuch einer Lektionen – oder eben der Nichtlektionen im klassischen Sinn – gar eines Halbtages eingeladen hatte. Es kam einst selbst der Regierungsrat nicht. 🙂 Dabei hatte sein Departement die Aufmerksamkeit und Zeit Fr. 70.– (obwohl von der Schulleitung amtlich mit Stempel bewilligt) diesen Weiterbildungsbeitrag zu streichen, mit der Begründung, dass ein Geographielehrer nicht an eine Weiterbildung für Schule und Internet zu gehen hätte; das sei private Weiterbildung und hatte keinen Fachbezug. Ich hätte damals – im Jahr 1996 – mit meinem Unterricht gerne das Gegenteil gezeigt. Aber es kam nie dazu.

Ich wünschte mir auch heute noch oft, dass jemand einmal an einem Arbeitstag von 7 Uhr bis 23 Uhr mitmacht, Dutzende von Situationen und Geschäften miterleben würde, die teilweise nicht lösbar sind, teilweise hochkomplex in verschiedensten Bereichen und alles im Eilzugstempo. Da bleibt kaum Luft zum Reflektieren, zum lehrbuchmässigen Planen, Durchführen und Nachbereiten des Unterrichts.
Es bewahrheitet sich teilweise, was einst mein Didaktikvorbild Heinrich Keller von der Universität Zürich sagte, dass diejenigen Lehrkräfte, die auf dem Weg vom Lehrerzimmer zum Schulzimmer die Lektion vorbereiten, gut vorbereitete Lehrkräfte seien. Die Beweggründe sind allerdings nicht Faulheit oder weil man Lektion y zum x-mal halten kann. Heute fehlt schicht und einfach die Zeit. Die strukturellen und fachlichen Veränderungen erlauben in vielen Fächern kaum mehr Wiederholungen, machen sie geradezu unmöglich, was auch Qualitätsverlust bedeuten kann.
Persönlich habe ich den Weg ins Lehrerzimmer schon vor Jahren aus Effizienzgründen leider streichen müssen. Ausserdem war diese Abgrenzung nötig, um mich nicht noch mehr den Fragen und Geschäften im Sinne von „könntest du mir nicht… du bist doch beim Computer…“ usw. auszusetzen. Die Hinweise meinerseits auf das selbstständige Lesen von Bedienungsanleitungen lesen, Kurse besuchen, persönliche Weiterbildungen etc. kommen nicht sozialverträglich an. Es war oder ist zu oft persönliche Zeit, die in den Beruf gesteckt werden muss, um kompetent bleiben zu können. Die strukturellen Voraussetzungen für einen Austausch, die Zeitfenster dazu fehlen in den Schulen. Dafür gäbe es die Ferien, hiess es. Spannend wurde es in dem Moment, als die Arbeitszeit deklariert werden musste, denn es ist dadurch zum Beispiel nicht mehr unbedingt sinnvoll und als Leistung anerkannt, informell zu wirken, einem Kollegen zu helfen, Schüler/-innen angepasst zu beraten, Geräte zu reparieren, Sammlungen und Materialien zu pflegen und vieles mehr, ausser es handelt sich um einen Auftrag der Schulleitung.

Es ist ein deutliches Zeichen des Älter werdens, wenn man von früher zu schreiben beginnt. Trotzdem nach 16 Unterrichtsjahren – eigentlich sind es 19, die Lehrtätigkeit an Bezirks-, Sekundar- und Primarschulen zählt dienstalterstechnisch und damit lohnmässig am Gymnasium nicht – erlaube ich es mir zu tun:

Ich war immer jemand der sehr weit im Voraus den Unterricht vorbereitet hatte, das war auch als Journalist so, ich hasste Stress aus Schlampigkeit, wegen unüberlegten, nicht geplanten Schritten. Beim Unterrichten kaum es in den 90iger Jahren und auch vorher eigentlich nie vor, dass ich reagieren musste. Ich war der Chef, hatte das Unterrichtsgeschehen respektive vor allem die Vor- und Nachbereitung voll im Griff. Ich konnte die einzelnen Schritte voraussehen, bestimmte was ging und ich hatte Raum und Zeiten für das sogenannt Unvorhergesehene.
In der Zwischenzeit hat sich dies radikal geändert. Jeweils einige Wochen nach Ferienschluss kippt das System. Das Unvorhergesehene nimmt überhand, daraus erwächst Stress und es passieren deutlich mehr Fehler als ich mir je erträumt hätte. Bei der Ursachenforschung stosse ich vor allem auf folgende Punkte:

– Die Vielfalt der Themen und Methoden, insbesondere der Einsatz von digitalen Medien mit all den schlecht berechenbaren Fehlern und Unzuverlässigkeiten
– Der Aktualitätsanspruch und -druck, gerade in Geographie und Mediendidaktik
– Die hohen Ansprüche der Schüler/-innen, Eltern, Vorgesetzten, …sowie die Betrachtungsweise der Schüler/-innen als Kund/-innen und der Institution als Dienstleistungsunternehmen mit Marketing, Werbung, Imagepflege etc.
– Die vielfältig zusammengesetzten Klassen, zunehmend unterschiedliche Vorkenntnisse, verschiedenste Fächerkombinationen und Gruppen
– Spezialklassenzüge mit Spezialangeboten
– Die vielen Gefässe, neue Fächer, die ich mit Kolleginnen erteile
– Die Erhöhung der Klassengrössen
– Die Individualisierung der Schulmöglichkeiten für die Studierenden, einerseits Interessen bedingt, anderseits Berufskarrieren orientiert
– Bald nur noch Spezialfälle in den Klassen (alle möglichen individuellen Probleme, die mit der Schule verknüpft werden, sozial, medizinisch, biografisch, kulturell bis zu Austauschschüler/-innen, Hospitanten, Gästen)

– … und ganz viel mehr, dass die Kolleginnen und Kollegen gerne in Kommentaren anfügen mögen.

Es ist nicht das Einzelne, was die Schule und den Beruf radikal verändert haben. Die Menge macht das Gift und vor allem auch, die medialen Möglichkeiten, die Verbreitungsgeschwindigkeit von Informationen, Nichtinformationen und allen möglichen und unmöglichen Aufgaben führen zu einer Art unbewältigbarem Chaos. Es gibt eine unüberlickbare Anzahl Kolleginnen und Kollegen, welche die verbreitenden Informationen und Aufgaben schon gar nicht mehr lesen, geschweige denn nur annährend ernsthaft angehen können.

Ich denke, dass dies auch früher schon so war, allerdings zeigte sich im Laufe von Jahren jeweils was wichtig war und welche Folgen bei Nichtbeachtung zu vergegenwärtigen waren. Das muss jetzt ständig neu herausgefunden werden und oft ist es so, dass die Änderungen die Schulzyklen nicht überdauern. Das heisst die Evaluation der Massnahmen ist kaum in sinnvoller Weise möglich. Wer in ein Schulsystem eingreift, müsste über Jahre hinweg vor- und mitdenken. Wenn beispielsweise eine umfassende Reform fürs Jahr 20xx angekündigt wird, machen viele Aufgaben, die nicht in Abstimmung auf die Neuerungen gemacht werden, nur bedingt Sinn.

Es werden trotz solchen Umständen Unmengen von Angeboten, Aufgaben und Forderungen in Umlauf gebracht, die nie und nimmer halbwegs ernsthaft bearbeitet werden können. Natürlich ist alles „erledigbar“, wer es nicht vermag, ist nicht fähig, oder? Die Faktoren Zeit und Mensch werden allzuoft zu wenig berücksichtigt. Komplexe Systeme sind nicht über publizierte oder gar per E-Mail, Lehreroffice oder andere Plattformen verschickte Anordnungen sinnvoll steuerbar. Diese Art der Führung funktioniert allenfalls über kurze Zeit in autoritären, hierarchisch angelegten Strukturen.

Ich habe als Journalist, Redaktor und Produzent schon früh gelernt, den Rundordner gezielt zu nutzen, ich habe damals schon mitgekriegt wie effizient Hunderte von Geschäften am Tag „erledigt“ werden können. Die Regeln waren allerdings andere: Es ging primär um Auflage, Wemf-daten, Geld und Arbeitsplätze. Da stehen andere Werte wie Information, sachliche Richtigkeit, Bildungswert, Ethik, Moral etc. stark im Hintergrund. Ein anderer, entscheidender Unterschied: Ich hatte eine den Aufgaben angemessen angepasste Infrastruktur mit entsprechend angestellten und ausgebildeten Mitarbeitenden. Wenn ich als Lehrkraft einen Briefumschlag mit Pauschalfrankatur nutzen will, einige Kopien machen muss die Arbeitswoche im Ausland organisieren und bezahlen will, kann das schon zu unliebsamen Abrechnungensschwierigkeiten führen. Oder anders: Ich hatte wohl Pflichten und auch Kompetenzen sowie vor allem auch einen Budgetrahmen, sprich Mittel und Infrastruktur. Mein Zielpublikum musste ich überzeugen, die Auflage musste stimmen, das war letztlich ein Hauptziel.
Heute habe ich in der Schule auch Kund/-innen, um die geworben wird, die sehr ernst genommen werden müssen, als Erwachsene im Leben stehen sollen, die sich aber verscheiedentlich anders benehmen als lernförderlich und deren individuelle Bedürfnisse trotzdem sehr hoch gewichtet werden sollen. Auch dieses Zielpublikum muss ich von meinem Fach und vom Sinn des Lernens überzeugen. Obwohl das Zielpublikum im Gespräch bei der Ausarbeitung von Lernvereinbarungen heute sehr viel Einverständnis mit dem Schularrangement zeigt, ist die Umsetzung im Alltag oft – zu oft – von anderen Aspekten des Lebens dominiert. Im jugendlichen Lebenskampf bleibt kaum Zeit und Geduld, einige langweilige Unterrichtsmomente hinzunehmen. Der entscheidende Unterschied zur Arbeitswelt „draussen“: Eigentlich habe ich Pflichtstoff, Prüfungen und noch dazu erzieherische Aufgaben. Es muss ein Spagat her: Allem zu genügen, gelingt nicht. Es gelingt aber, es so aussehen zu lassen. Erstes Kriterium bei der Beurteilung von Unterrichtslektionen in einem Schweizer Kanton ist zum Beispiel die Atmosphäre im Schulzimmer. Wichtig ist ergo, dass wir es gut haben zusammen.
Im Grunde genommen ist die Bezeichnung Geographielehrer eine nicht mehr zutreffende Bezeichnung. Immer wieder stellt sich die alltägliche Frage, ob ich jetzt Geographie unterrichten soll, oder ob ich die Störungen dieses Unterfangens angehen soll und zuerst entsprechende Erziehungsarbeit leisten muss. Weil manchmal Erstaunen über diese Frage von den Schüler/-innen zu mir gelangt, missbrauche ich diesen Blog auch dazu, ihn vor gewünschten Diskussionen mit mir lesen zu lassen. Die Positionen lassen sich dadurch besser beziehen. Es kann relativ rasch unterschieden werden, was ernsthafte und kompetente Anliegen sind oder eben nicht.
Ich habe bei den Evaluationen des Unterrichtsgeschehens festgestellt, dass der prozentuale Anteil an allgemeinen Themen zu Lernbereitschaft, Methodenverständnis, Heftführung, Organisation, Pünktlichkeit, strukturellen Erklärungen und Ähnlichem unerwünscht gewachsen ist. Das heisst, es steht weniger Zeit für die fachlichen Aspekte zur Verfügung.
Erschwerend kommt hinzu, dass die oft neu zusammengesetzten Klassen und/oder Kursgruppen immer wieder die grundsätzlichen Erklärungen zum Unterricht, zu den Methoden, Prüfungen usw. bekommen müssen. Häufig sitzen Schüler/-innen da, die das jeweilige bereits kennen, für die müssten im Idealfall dann wieder individualisierte Aufträge erfolgen. Dieses und Ähnliches immer umzusetzen übersteigt oft die logistischen Möglichkeiten. Nichtzuletzt war es einst vermutlich eine wesentliche Idee oder Notwendigkeit mit einer oder wenigen Lehrpersonen kosten- und kräftesparend einer grossen Anzahl von Menschen zu einer der staatlich gewünschten Bildung zu verhelfen. Demgegenüber steht die persönliche und privat bezahlte Lehrperson.

Und nun? Individualierung und Standardisierung, Elitebildung und Breitenwirkung, alles für alle und kostengünstig,

Des langen Textes kurzer Schluss: Der Blog soll zur Informations- und Meinungsvielfalt beitragen, in dem weitere Stimmen auf diese Weise öffentlich gemacht werden können.

Ich freue mich auf Kommentare, Ergänzungen, eigene Berichte!